Bündnis | Kritik & Aktion Pforzheim http://bka.blogsport.de Tue, 09 Oct 2012 15:37:27 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en ARCHIV http://bka.blogsport.de/2012/10/09/archiv/ http://bka.blogsport.de/2012/10/09/archiv/#comments Tue, 09 Oct 2012 15:37:27 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2012/10/09/archiv/ Diese Homepage wird nicht mehr betreut, und ist nur noch zu Archivzwecken online.

Eine der Gruppen aus dem Bündnis ist noch aktiv – hier geht es zur Homepage von alert|a

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Bericht zur Demo http://bka.blogsport.de/2010/02/20/bericht-zur-demo/ http://bka.blogsport.de/2010/02/20/bericht-zur-demo/#comments Sat, 20 Feb 2010 17:31:29 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/20/bericht-zur-demo/ Hi, hier ist ein crossposting von indymedia linksunten zur heutigen Demo:


Am heutige Samstag versammelten sich in Pforzheim etwa 600 Menschen zu einer Demonstration unter dem Motto „Flagge zeigen gegen Rechts“.


Ziel war es, gegen die Fackelmahnwache des „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“(FHD) am kommenden Dienstag, den 23. Februar, zu protestieren. An diesem Tag ist Pforzheim 1945 von der Royal Air Force fast vollständig zerstört worden und ca. 17.000 Menschen kamen ums Leben. Deshalb veranstaltet der FHD jedes Jahr eine Mahnwache, um der „deutschen Opfer“ des Angriffs zu gedenken. An dieser beteiligen sich mittlerweile jährlich 100-200 Personen.

Die Demonstration ist von der Initiative gegen Rechts veranstaltet worden und es haben folgende Gruppen dazu aufgerufen:

SPD + Jusos, Grüne, LINKE + Linksjugend [’solid], DGB, Stadtjugendring, ev. Kirche, Israelitische Kultusgemeinde, Afrika-Präsenz, attac, VVN-BdA, alert|a, SJD – die Falken, Infoladen Pforzheim, WIP (Wir in Pforzheim)

Durch das für Pforzheim ungewöhnlich breite Bündnis gab es auch ein breites Spektrum an Teilnehmer/-innen der Demonstration. Von Zeitzeugen/-innen des Angriffs bis zu autonomen Antifaschisten/-innen war alles vertreten.

Die Demonstration startete am Waisenhausplatz, wo sie auch von einem Vertreter des Bündnisses eröffnet wurde. Die erste Zwischenkundgebung fand am Platz der Synagoge statt, wo an die Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 erinnert wurde. Dazu spielte die Liedermacherin Jahne Zahn jiddische Lieder. Sie spielte auch bei den weiteren Kundgebungen noch thematisch passende Lieder.

Die nächste Zwischenkundgebung fand auf dem Leopoldplatz statt. Hier redete zuerst die Pforzheimer Bundestagsabgeordneteder SPD, Katja Mast. Diese ging in Ihrer Rede leider auch auf die unsägliche Extremismustheorie ein, und sagte, dass sie sich natürlich auch von Linksextremisten distanziere. Diese Aussage wurde mit entsprechenden Buh-Rufen kommentiert.

Als nächster sprach der MdB Mehmet Kilic für die Grünen. Er beschrieb, wie er 1990 nach Deutschland kam und von der ausländerfeindlichen Gewalt von Hoyerswerda und Mölln schockiert war. Jedoch beruhigte ihn der Aufstand der Anständigen mit ihren Lichterketten. Er sprach sich dafür aus, klar Position gegen die zu beziehen, die letztendlich auch die Verantwortung für die Toten des Angriffs auf Pforzheim trugen: Die Nazis.

Danach sprach Klaus Spohn für die LINKE. Er ging in seiner Rede sehr detailliert darauf ein, wer denn in der Nazizeit Verbrechen in Pforzheim begangen hat, die Linken oder die Rechten. „Waren es den die Sozialdemokraten, die Kommunisten oder die aufrechten Christen, die die Juden deportiert haben?“ war sinngemäß zu hören. Damit entzog er der extremismustheoretischen Verunglimpfung der vorhergehenden Rede die Grundlage. Er glänzte durch ein hervorragendes historisches Faktenwissen.

Als letztes Sprach der Zeitzeuge Ernst Grube von der VVN-BdA. Als Jude war er im Dritten Reich deportiert worden, und hat viele Angehörige verloren. Er beschrieb dies sehr bewegend und folgerte auch für heute, dass man weder Faschismus noch Krieg jemals wieder zulassen soll. In diesem Zusammenhang sprach er sich auch gegen den Afganistankrieg aus.

Im Anschluss an die Zwischenkundgebung ging’s am Bahnhof vorbei zum Platz des 23. Februar hinter dem Rathaus. Hier sprachen ein Vertreter der DBG-Jugend, der sich für Toleranz und gegen Nazis aussprach. Er forderte außerdem ein Verbot der NPD.

Danach sprach ein Vertreter der Linksjugend [’solid]. Er thematisierte die erfolgreichen Blockaden von Antifaschist/-innen letztes Wochenende in Dresden und ging außerdem auf den Missbrauch von linken Symbolen durch Nazigruppen ein.

Zuletzt sprach ein Vertreter von alert|a. Er sprach von Umgang mit dem 23. Februar in Pforzheim und kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in der Öffentlichkeit oft nicht klar wird, dass dieses Datum eine Vorgeschichte hat. Schon 1933 sei klar gewesen: „Wer Hitler wählt, wählt Krieg!“.
Im Folgenden ging er darauf ein, dass es unter den 17.000 Toten des 23. Februars nicht nur Opfer, sondern auch viele Täter gab.
Danach benannte er Pforzheim als Akteur des Krieges und sprach ihm damit den Status des „unnötigen Opfers“ ab. Den Angriff auf Pforzheim stellte er als Konsequenz aus einer Kriegslogik heraus dar.
Um die Würde der Opfer des NS zu wahren, forderte er eine differenziertes Geschichtsbild, dass Ursachen, Täter und Profiteure des NS benennt. Zuletzt positionierte er sich gegen das Totschlagargument der „Würde des Pforzheimer Gedenktages“, das hauptsächlich dazu diene, Kritik am Umgang mit der NS-Vergangenheit zu verunglimpfen.

Die Veranstalter schätzen die Demonstration nach der Befragung einiger Beteiligter als Erfolg ein. Es wurde auch die Hoffnung geäußert, dass diese Demo ein Schritt Richtung Verhinderung der Nazimahnwache nächstes Jahr ist.

Zu erwähnen ist außerdem, dass während der Demo Flyer verteilt wurden, die sich inhaltlich mit der Extremismustheorie beschäftigen und diese als bürgerliches Propagandakonstrukt entlarfen.

Weiter geht’s am 23. Februar, um 15:00 Uhr beginn die Dauerkungebung auf dem Marktplatz: Link zum Termin

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Interview mit Radiodreyeckland zum 23.02.2010 http://bka.blogsport.de/2010/02/20/interview-mit-radiodreyeckland-zum-23022010/ http://bka.blogsport.de/2010/02/20/interview-mit-radiodreyeckland-zum-23022010/#comments Sat, 20 Feb 2010 02:09:22 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/20/interview-mit-radiodreyeckland-zum-23022010/ Max Kraft von Alert-a gab ein Interview für Radiodreyeckland:

Interview mit RDL zum 23.02.2010

Hört rein!

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Der 23. Februar in Pforzheim http://bka.blogsport.de/2010/02/16/dr-e23-februar-in-pforzheim/ http://bka.blogsport.de/2010/02/16/dr-e23-februar-in-pforzheim/#comments Tue, 16 Feb 2010 21:38:00 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/16/dr-e23-februar-in-pforzheim/ Auch dieses Jahr plant der rechtsradikale Verein „Freundeskreis – Ein Herz für Deutschland“ am 23. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Pforzheims, seine Fackelmahnwache auf dem Pforzheimer Wartberg abzuhalten. Auch dieses Jahr werden wir dies nicht einfach geschehen lassen, sondern durch verschiedenste kreative Aktionen auf die Nazis aufmerksam machen, um die Nazis aus der Deckung zu holen.
Neben der von der Pforzheimer „Inititive gegen Rechts“ organisierten Demonstration am 20. Februar, dem Samstag vor der Demo, wird es auch am 23. Februar selbst eine Dauerkundgebung auf dem Pforzheimer Marktplatz und allerlei Aktionen geben.
Die sowohl auf die Naziproblematik als auch auf die Problematik der städtischen Geschichtspolitik, aufmerksam machen soll. Um auch wirklich aufzufallen ist euer Mitwirken gefragt. Deshalb seid kreativ, lasst euch was einfallen und kommt zahlreich!

Vokü, Zirkuszelt und Infostand ab 15 Uhr auf dem Pforzheimer Marktplatz

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Flyer zur Demo http://bka.blogsport.de/2010/02/06/flyer-zur-demo/ http://bka.blogsport.de/2010/02/06/flyer-zur-demo/#comments Sat, 06 Feb 2010 21:43:21 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/06/flyer-zur-demo/ Flyer vorne
Flyer hinten

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Aufruf zur Demonstration http://bka.blogsport.de/2010/02/02/aufruf-zur-demonstration/ http://bka.blogsport.de/2010/02/02/aufruf-zur-demonstration/#comments Tue, 02 Feb 2010 21:20:00 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/02/aufruf-zur-demonstration/ Sa, 20. Feb. 14:00 Uhr Waisenhausplatz

rechtspfeil

Flagge zeigen gegen Rechts

Für ein Pforzheim ohne Nazimahnwache am 23.2.

Wir wollen nicht zulassen, dass Hass gegen Minderheiten, Rassismus, Gewalt- und Kriegsverherrlichung erneut an politischem Einfluss gewinnen!

Wir wollen keine Nazis in Pforzheim und anderswo!

Mahnwache des FHD

Seit 1994 veranstaltet der rechtsradikale „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“(FHD) (fast)[1] jedes Jahr am 23. Februar eine Fackelmahnwache, um der „deutschen Opfer“ [2] des Angriffs auf Pforzheim 1945 und des 2. Weltkriegs zu gedenken.
Die Mahnwache ist mittlerweile mit 100 – 200 Teilnehmer/-innen die größte regelmäßige faschistische Veranstaltung in Baden-Württemberg. Das Gedenken an „deutsche Opfer“ ist für die sonst recht zerstrittene Bewegung in Deutschland das Bindeglied zwischen allen Gruppen. Die größten Nazidemonstrationen drehen sich immer um den 2. Weltkrieg, z.B. in Dresden am 13. Februar.[3]

Geschichte als Anknüpfungspunkt

Am 23. Februar wird der 17.000 Toten gedacht, die in Pforzheim ums Leben kamen. Meist werden dabei Erlebnisse von Pforzheimer/-innen während und nach dem Luftangriff aufgezeigt. Neben der Trauer um Verwandte, die viele Pforzheimer/-innen durchleben, wird auch gemeinschaftlich aller anderen Opfern des Krieges gedacht.
Es wird aber nur selten von den nationalsozialistischen Täter/-innen gesprochen. So entsteht leicht der Eindruck, dass Pforzheim zufällig kurz vor Kriegsende angegriffen wurde. Nur selten wird klar, dass es die Logik des von Nazi-Deutschland begonnenen und von der Bevölkerung mehrheitlich mitgetragenen Vernichtungskrieges war, die nun auch auf unsere Stadt zurückfiel.
Diese Geschichtsbetrachtung macht es den 100 – 200 Alt- und Neonazis auf dem Wartberg leicht, mitzutrauern. Sie sehen sich und ihre Helden aus der Zeit Nazi-Deutschlands ebenso als Opfer des „Bombenkrieges“, bedienen sich der allgemeinen Trauerstimmung und reihen sich ein. Doch innerhalb ihres Gedenkens klammern sie einfach Gruppen wie Zwangsarbeiter/-innen oder Jüdinnen und Juden aus. Sie gehören ihrem Weltbild nach nicht zu den Opfern 2. Weltkrieges.

Warum gibt es so wenig Protest?

Die größte regelmäßige faschistische Veranstaltung in Baden-Württemberg erzeugt in Pforzheim bis jetzt keinen Protest, der auch wirklich breit aus der Bevölkerung heraus getragen wird. Zum einen liegt das am Charakter der Veranstaltung; über Jahre hinweg war nicht bekannt, dass es diese Mahnwache gibt. Zum anderen kann man sie leicht ignorieren, da sie in unbewohntem Gebiet stattfindet.
Gerade dieser Sonderstatus macht die Mahnwache gefährlich. Hier können Rechte aller Strömungen ungestört zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben. Auf dem Wartberg herrscht eine beeindruckende Atmosphäre: Um 19:40 Uhr stehen sie dort, entzünden ihre Fackeln, kurz darauf beginnen in der ganzen Stadt für 20 Minuten die Glocken zu läuten, ansonsten herrscht andächtige Stille.
Diese Atmosphäre kann Einsteiger/-innen in die rechte Szene beeindrucken und alte Nazis festigen; es vermittelt allen, dass sie nicht alleine sind;
dass an den rechten Parolen schon was dran sein wird, weil es sich richtig anfühlt.

Die rechtsradikale Szene in Pforzheim

In Pforzheim gibt es nicht nur am 23. Februar eine aktive Naziszene. Zunehmend fällt eine wachsende, gewaltbereite rechtsradikale Jugendszene auf. So versuchten am 24. Oktober 2008 etwa 15 Neonazis aus dem Umfeld des „Heidnischen Sturmes Pforzheim“[4] ein Konzert der Aktion „Laut gegen Nazis“ anzugreifen. Mit Knüppeln, Pfefferspray und Flaschen begannen sie auf Besucher/-innen des Jugendzentrums Kupferdächle einzuschlagen.
Auch vor direkten gewaltätigen Überfällen auf einzelne Personen schrecken Pforzheimer Neonazis nicht zurück. Am 16. Mai jagten drei Neonazis einen 14jährigen auf Grund seiner Hautfarbe durch die Pforzheimer Nordstadt.
Einer der Täter wurden hier glücklicherweise ermittelt und in erster Instanz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Insgesamt ist es der lokalen Naziszene mit der politschen Einflussnahme ernst. Dafür spricht, dass am 13. Februar 2009 ca. 50 Pforzheimer Neonazis mit einem eigenen Reisebus nach Dresden fuhren, und dort ein Transparent trugen mit der Aufschrift „Alliierter Bombenterror Dresden – Pforzheim“.

Fazit

Es geht eine direkte Bedrohung von der Pforzheimer Naziszene aus, die vor allem von Jugendlichen großen Zulauf erfährt. Der 23. Februar hat für die Szene eine große Bedeutung, da er sowohl nach außen ein „Markenzeichen“ ist, als auch nach innen die regionale Vernetzung stärkt.

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[1] 2002 konnte die Mahnwache durch antifaschistischen Gegenprotest verhindert werden. 2004 fiel der 23 .Februar auf einen Rosenmontag. Die Polizei konnte nicht für die Sicherkeit garantieren; der FHD sagte die Mahnwache im Vorfeld ab.

[2] Nazis verstehen unter Deutschen diejenigen, die sie zu ihrer konstruierten „Volksgemeinschaft“ zählen; so gehören beispielsweise Jüdinnen und Juden, Behinderte oder politische Gegner/-innen nicht zu den Deutschen.

[3] 2009 fand mit 6000 Teilnehmer/-innen einer der größten Naziaufmärsche in der Geschichte der Bundesrepublik statt.

[4] Der Heidnische Sturm Pforzheim ist eine 2005 gegründete, rechtsradikale Kameradschaft.

Veranstalter der Demonstration ist die
Initiative gegen Rechts

c/o Rüdiger Jungkind
Ersinger Straße 14-1
Keltern

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http://bka.blogsport.de/2010/02/02/aufruf-zur-demonstration/feed/
Stellungnahme der CDU zur geänderten Resolution http://bka.blogsport.de/2010/02/02/44/ http://bka.blogsport.de/2010/02/02/44/#comments Tue, 02 Feb 2010 21:18:15 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/02/44/ Hier findet ihr eine Stellungnahme der Gruppe „alert|a“ zu Florentin Goldmann (CDU), der auf die die konservativ-bürgerliche Tränendrüse drückt.

CDU kritisiert Haltung zu Linksextremisten
Neue Wortwahl in Resolution zum 23. Februar „nur auf den ersten Blick ein Schulterschluss“

„Linke Gewalttäter zählen offenbar zur Klientel der Grünen“

PK – Im Nachgang zur jüngsten Gemeinderatssitzung, bei der es – vor der Zustimmung mit nur einer Enthaltung – längere Diskussionen um die Wortwahl in der Resolution zum 23. Februar gab (der Pforzheimer Kurier berichtete), gab der CDU-Fraktionsvorsitzende Florentin Goldmann gestern nochmal eine schriftliche Erklärung ab. Darin heißt es, der nahezu einmütige Beschluss sei „nur auf den ersten Blick ein Schulterschluss der demokratischen Kräfte“.
Im Zuge der jetzigen CDU-Erklärung setzt sich Goldmann kritisch mit der Argumentation anderer Gemeinderäte auseinander. Die von der Gruppierung „Wir in Pforzheim“ begonnene Diskussion, ob der Gemeinderat nun rechtsextreme und linksextreme Gewalt ächte oder eben nur rechtsextrem motivierte und sonstige Gewalt, führe unweigerlich zu dem Schluss, dass Teile des Pforzheimer Gemeinderats eben doch links und rechts mit zweierlei Maß messen, meint Goldmann.
Für die CDU-Fraktion gelte, dass man fraglos die Mahnwache des rechtsextremistischen „Freundeskreises Ein Herz für Deutschland“ verabscheue. Ebenso unerträglich sei es aber auch, dass „linke gewaltbereite Gruppen“ den Pforzheimer Gedenktag nutzen, um die Konfrontation nicht nur mit den „Rechten“, sondern auch mit der Polizei zu suchen.
Das eine wie das andere instrumentalisiere und verhöhne die Opfer des Bombenangriffs vom 23. Februar 1945. Die Pforzheimer Bevölkerung darf nach Ansicht der CDU zu Recht erwarten, dass sich der Gemeinderat hier ganz klar positioniere. Wenn nun der Stadtrat der Partei „Die Linke“ erkläre, er könne schon allein des Namens wegen linksextremistische Gewalttäter nicht verurteilen, so spreche dies Bände über das Grundverständnis seiner Partei, meint Goldmann.
Außerdem schreibt der CDU-Fraktionschef wörtlich: „Die Tatsache aber, dass die Grüne Liste linke Gewalttäter offenbar zu ihrer Klientel zählt, deren Interessen sie wahren möchte, ist uns neu. Denn nur so können wir die Aussage des Stadtrates Axel Baumbusch verstehen, wonach so genannte gewaltbereite Autonome unpolitisch und nicht mit Linksextremisten gleichzusetzen seien. Wir bezweifeln dies stark. Selbstverständlich zählen sich die so genannten Autonomen zum linken Spektrum. Es ist unseres Wissens kein Fall dokumentiert, bei dem sich die Aggression der Autonomen gegen linke Demonstranten richtete. Diese Gruppe führt mit falschen, entschieden zu verurteilenden Mitteln den Kampf gegen Rechts.“
Es sei nach Auffassung der CDU-Fraktion keineswegs so, „dass sich die Resolution in der ursprünglichen Fassung gegen jene ausgesprochen hätte, die friedlich gegen die Mahnwache auf dem Wartberg demonstrieren wollen“. Für Florentin Goldmann steht fest, „dass es die Stadträte der Grünen Liste waren, die in der Debatte im Gemeinderat die friedlichen Demonstranten und die gewaltbereiten linken Extremisten in einen Topf geworfen haben, indem sie die weitere Differenzierung strikt abgelehnt haben“.
Für die CDU-Fraktion sind alle willkommen, „die sich in friedlichem Protest gegen die Mahnwache versammeln“. Denn sie unterstützten ein Anliegen unserer Stadt und ihrer Bürger: Das Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs in Würde.

Wir verweisen auf die antifaschistischen Kampagnen der letzten Jahre und fordern Herrn Goldmann auf die Gewalt von der er spricht zu belegen; wir sind uns keiner Schuld bewusst.
Es hat ein wenig den Anschein als wäre es für Goldmann notwendig den Dogmen seiner Partei nach zu handeln, um nicht jegliche Glaubwürdigkeit und Position zu verlieren.
Wir sehen die Änderungen der Resolution zum 23.Februar als Fortschritt an, allerdings reicht eine solche formale Abänderung natürlich nicht aus, solange AntifaschistInnen in der Praxis rund um das besagte Datum noch immer mit den selben Repressionen (wie beispielsweise Konzertverbote, Kundgebungsverbote, etc.) zu rechnen haben wie vor der Textänderung.
Es geht um Geisteshaltungen wie jene von Herrn Goldmann, es geht um die sofortige Einstellung jedweder Gleichsetzung von Antifaschismus und NS-Hetze, es geht um ein Geschichtsbild in dem Täter-/Opferrollen klar definiert sind.
Kriege folgen ihrer eigenen Logik und sind als ganzes verbrecherisch, wer aber einen „Totalen Krieg“ beginnt, wie es das Deutsche Volk zu Zeiten des Nationalsozialismus getan hat und den Tod von Millionen von Menschen durch die Shoa zu verantworten hat, kann und darf sich niemals gegen jene stellen die versuchen zu verhindern, dass die geistigen Erben der damaligen deutschen TäterInnen wieder Fuß fassen können.

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http://bka.blogsport.de/2010/02/02/44/feed/
Brennende Städte : Die Nazis und der 23. Februar http://bka.blogsport.de/2010/02/02/brennende-staedte-die-nazis-und-der-23-februar/ http://bka.blogsport.de/2010/02/02/brennende-staedte-die-nazis-und-der-23-februar/#comments Tue, 02 Feb 2010 21:17:52 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/02/brennende-staedte-die-nazis-und-der-23-februar/ Hier findet ihr einen Artikel aus dem Rotes Blättle – Zeitung der DKP Mühlacker/Enzkreis 1/10. Wir finden ihr interessant und möchten ihn euch deshalb zugänglich machen:

Seit Jahren führt der Neonaziverein “Freundeskreis ein Herz für Deutschland” am 23. Februar in Pforzheim einen Fackelmarsch zum Gedenken an die Opfer des, von ihnen so bezeichneten, “alliierten Bombenterrors” durch. Nicht nur in Pforzheim, auch in anderen Städten wie Dresden nutzen die Neonazis das Gedenken an die Opfer alliierter Luftangriffe für ihre geschichtsrevisionistische Propaganda. Die deutschen Faschisten haben einen Weltkrieg vom Zaun gebrochen, dem mehr Menschen zum Opfer gefallen sind als allen anderen von Menschen verursachten geschichtlichen Ereignissen zuvor. Insgesamt hat der zweite Weltkrieg schätzungsweise 55 Millionen Menschen den Tod gebracht. Die ersten Bombardierungen dicht besiedelter Städte wurden von deutscher Seite durchgeführt. Bei den Angriffen auf britische Städte wie London, Birmingham, Coventry und Glasgow 1940 und ́41 befahl Hitler, gezielt die Zivilbevölkerung in den Stadtzentren zu bombardieren. Die Städte sollten „ausradiert“ werden. Ende 1940 begannen die britische und die US-Luftwaffe mit der Bombardierung deutscher Städte. Dresden, Essen, Würzburg wurden bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Pforzheim traf es besonders hart, unglaubliche 98 % des Stadtgebietes wurden zerstört. 17600 Menschen starben. Die Alliierten begründeten die Luftangriffe u.a. damit, die Menschen zum Aufstand gegen die Nazis bewegen zu wollen. Doch die Deutschen stürzten Hitler nicht, obwohl er weiter Hunderttausende in einen längst verlorenen Krieg schickte und noch in den letzten Kriegstagen täglich Deserteure und Zwangsarbeiter ermorden ließ. Trotz unserer Anerkennung der Verdienste der Alliierten um die Befreiung Deutschlands können wir als Kommunisten die gezielte Vernichtung der Zivilbevölkerung nicht akzeptieren. Bei dieser Kritik allein stehen zu bleiben bringt uns aber nicht weiter. Es ist die Aufgabe von uns Nachgeborenen die waren Verursacher dieses Krieges und seiner Folgen zu benennen und eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Die deutschen Faschisten haben einen Krieg begonnen der Opfer auf allen Seiten gebracht hat. Auch auf Seiten der deutschen Zivilbevölkerung. Es muss aber auch festgehalten werden, das diese
Bevölkerung es nicht geschafft hat sich selbst aus der faschistischen Diktatur zu befreien, diese zum Teil sogar mitgetragen hat. Die deutsche Bevölkerung, und die der von den Nazis okkupierten Ländern, die Insassen der KZ und der Zuchthäuser, die versteckten Juden und die neugeborenen behinderten Kinder – und alle anderen Opfer der Unterdrückung durch die Nazis- konnten nur durch die Befreiung durch die Alliierten gerettet werden. Die schmerzlichen Erinnerungen an den 23. Februar 1945 sollten uns heute und für immer darin erinnern für Frieden und Völkerfreundschaft einzustehen und jedem Nazi entgegenzutreten der es wagt dieses Gedenken für seine Zwecke zu missbrauchen.

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65 Jahre nach den Bombern… http://bka.blogsport.de/2010/02/02/65-jahre-nach-den-bombern/ http://bka.blogsport.de/2010/02/02/65-jahre-nach-den-bombern/#comments Tue, 02 Feb 2010 21:15:56 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/02/02/65-jahre-nach-den-bombern/ Hier ein Artikel von Indymedia linksunten. Er stellt nicht unbedingt die Meinung unseres gesamten Bündnisses dar, ist aber auf jeden Fall interessant zu lesen:

…über Dresden und Pforzheim

Im Februar finden in Pforzheim und im davon über 500 Kilometer entfernten Dresden Naziaufmärsche statt. Dabei besteht nicht nur eine zeitliche Nähe zwischen den jährlichen Aufmärschen am 13.02. in Dresden und zehn Tage später am 23.02. in Pforzheim. Beide finden am Jahrestag der Bombardierung der jeweiligen Stadt durch die Alliierten im Jahr 1945 statt. An diesen Tagen werden die Deutschen als die eigentlichen Leidtragenden des Zweiten Weltkrieges dargestellt, Shoah und deutsche Kriegsschuld ausgeblendet. Aus der Befreiung vom Nationalsozialismus werden „Kriegsverbrechen“, die deutschen Täter_Innen werden „Opfer“ von „alliiertem Bombenterror“. Gedacht wird den toten Deutschen in den zerstörten deutschen Städten.

Und bei diesem Gedenken sind die Nazis nicht alleine: Auch „ganz normale“ Deutsche halten dieser Tage in Dresden und in Pforzheim Gedenkveranstaltungen ab. Sowohl die Veranstaltungen der Nazis als auch die von offizieller, städtischer Seite sind exemplarisch für eine bestimmte Art und Weise, wie mit der deutschen Vergangenheit umgegangen wird. Dieser Text will sich aber nicht nur mit Nazis und städtischem Gedenken auseinandersetzen, sondern thematisiert auch die Reaktionen von linken und antifaschistischen Gruppen auf das Geschehen.

Pforzheim – clouded minds not clouded skies

Seit 1994 gedenkt der „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ (FHD) den „deutschen Opfern“ der Bombardierung Pforzheims am 23. Februar 1945 mit einer Fackelmahnwache auf dem Wartberg. Dort finden sich jährlich bis zu 200 Nazis aller Couleur ein. Lange Zeit fand dies aufgrund der Lage des Wartberges am Rande der Stadt angeblich ohne Wissen der Öffentlichkeit statt. Als Antifaschist_innen 2002 schließlich damit begannen, gegen die Naziveranstaltung aktiv zu werden und diese zu thematisieren, interessierte das die Öffentlichkeit zwar auch nicht viel mehr, den Antifaschist_innen gelang es jedoch die Veranstaltung durch Blockaden zu verhindern.1 Zwei Jahre später verzichtete der FHD freiwillig aufgrund von Auflagen der Stadt auf die Mahnwache.2 Seither findet sie regelmäßig statt, die Gegenaktivitäten der letzten Jahre scheiterten, sofern vorhanden, unter anderem an einem massiven Polizeiaufgebot.3

Für antifaschistisches Engagement ist Pforzheim generell kein einfaches Pflaster. Zum einen gibt es in der Stadt selbst, wie auch im Umland eine große organisierte Naziszene. Neben dem „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“ und NPD/JN besteht sie aus den rechtsoffenen Hooligans von „Boys United“, dem „Stallhaus Germania“ in Mühlacker und dem „Heidnischen Sturm Pforzheim“, deren Mitglieder immer wieder durch gewalttätige Übergriffe in Erscheinung treten.4 In einem vom „Heidnischen Sturm“ organisierten Bus fuhren letzten Februar rund 50 Pforzheimer Nazis zum Trauermarsch nach Dresden. Auf der anderen Seite setzen die Stadt Pforzheim und ihre Ordnungsbehörden eine recht rigide Linie gegen Antifaschist_innen durch. Jährlich werden einen Monat vor dem 23.02. alle Konzerte und andere Kulturveranstaltungen verboten, bei denen der Verdacht besteht, dass sie mit antifaschistischen Gegenaktivitäten am 23. Februar in Verbindung stehen könnten. Für Demonstrationen müssen in Pforzheim Verwaltungsgebühren bezahlt werden. Neben den üblichen Schikanen, wie einer unattraktiven Demoroute und überzogenen Auflagen, wurde 2008 eine antifaschistische Kundgebung auf dem Wartberg verboten und den Nazis, deren Veranstaltung später angemeldet wurde, mit der Begründung des Gewohnheitsrechts die Durchführung ihrer Kundgebung genehmigt.

Die vergangenen Proteste thematisierten aber nicht nur die Mahnwache des FHD, sondern auch den geschichtsrevisionistischen Opfermythos, den sich die Stadt Pforzheim zu erhalten versucht.

Blicken wir zunächst ein paar Jahrzehnte zurück: Seit dem 18. Jahrhundert ist Pforzheim wirtschaftlich maßgeblich durch seine Schmuck- und Uhrenindustrie geprägt und schmückt sich daher mit dem Titel „Goldstadt“. Bis hierhin stimmen wir dem Kurzportrait der Stadt auf ihrer Internetpräsenz zu, die dann aber einen Sprung macht und mit der Zerstörung am 23. Februar 1945 wieder einsetzt.5 Zu den unerwähnt gebliebenen Ereignissen gehört, dass am Morgen des 10. November 1938 die Pforzheimer Synagoge entweiht und zerstört wurde; für die Kosten des Abrisses musste die jüdische Gemeinde aufkommen.6 Am 22. Oktober 1940 wurden schließlich die knapp 200 verbliebenen Juden und Jüdinnen deportiert. Von ihnen überlebte fast niemand die Shoah.7 Im selben Jahr wurde die Industrie nach und nach auf einen anderen Industriezweig umgestellt, die Rüstungsindustrie. Diese beschäftigte gegen Ende des Krieges laut nicht ganz gesicherten Zahlen mehr als die Hälfte der knapp 19.000 in Pforzheim arbeitenden Menschen, unter ihnen viele zwangsdeportierte Arbeiter_innen und Kriegsgefangene. Auch KZ-Häftlinge wurden angefordert.8 Produziert wurden Bauteilen für Flakgranaten und Bordfunkgeräte sowie Teile für Hitlers „Vergeltungswaffen“, die V1- und V2-Raketen die bis Ende März 1945 auf London und Südengland niedergingen.9 Im Februar 1945 folgte schließlich die im bisherigen Kriegsverlauf folgenschwerste Bombardierung Pforzheims, bei der rund 17.000 Menschen starben und zwei Drittel der Stadtfläche zerstört wurde.

Dass dem bis 2001 amtierenden Pforzheimer Bürgermeister Joachim Becker nur „Wolken über dem Primärziel Ruhrgebiet“ als Ursache für den Luftangriff auf Pforzheim einfallen, passt zu den Erinnerungsgewohnheiten der Stadt Pforzheim.10 Im Stadtbild finden sich Tafeln, auf denen die zerstörte Stadt nach dem Luftangriff abgebildet ist. Mit der spanischen Stadt Guernica – im Spanischen Bürgerkrieg von der deutschen Luftwaffe bombardiert – pflegt die Stadt Pforzheim eine Städtepartnerschaft. Aussage: Im Grunde sind wir alle nur Opfer. Diesen Eindruck vermittelt auch das bürgerliche Gedenken an die Bombardierung, das seit 1946 kontinuierlich und unter Teilnahme von mehreren hundert Menschen stattfindet.11 Seit 2003 ist der 23. Februar offizieller Gedenktag der Stadt, geboten wird ein tagesfüllendes Programm. Begonnen wird mit kollektivem Trauern auf dem Friedhof, im Anschluss gibt es Gottesdienste und Lesungen. „Den siebzehntausend Opfern des 23. Februar“ steht auf dem Denkmal auf dem Hauptfriedhof und um nichts anderes geht es hier.12 Fakten, wie zum Beispiel das Wahlergebnis von 1933, bei dem 57,5% der Pforzheimer Wahlberechtigten die NSDAP wählten13, zählen hier nicht.14 Stattdessen wird der Weltkrieg weitestgehend als unpolitisches Ereignis dargestellt und die Tränendrüsen sollen mit packenden Geschichten von überlebenden Opfern stimuliert werden. Äußerst gerne wird die Versöhnung mit den von der deutschen Luftwaffe zerstörten Städten Coventry und Guernica betont, ebenso werden die Opfer des Nationalsozialismus mit den Opfern der Bombardierung Pforzheims in einen großen Opfertopf geworfen. Abstrakt verantwortlich gemacht werden zum Beispiel „Gewaltherrschaft“, „das Böse“, „Willkür“ oder „Menschenverachtung“. Wer damit gemeint ist, bleibt meist unklar. So können sich alle selbst aussuchen ob sie das lieber auf die Alliierten beziehen wollen, „die Nazis“, oder ganz besonders einfach, auf den damaligen Zeitgeist. Die Pforzheimer Opfermythen, deren Ursprünge auf die NS-Propaganda zurückgehen, wurden bis heute aufrecht erhalten. In ihrem Kern berufen sich alle auf die vermeintliche „militärische Sinnlosigkeit“ der Bombardierung und als vermeintlich sinnlos bombardierte Stadt steht Pforzheim nicht alleine da.

Dresden – „… and I live by the river“

Vom 13.2. bis 15.2.1945 flogen die Royal Airforce und die US Army Air Forces Luftangriffe auf Dresden. Dieses waren zwar nicht die schwersten Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs, jedoch wird immer die Zerstörung Dresden als Symbol für die Luftangriffe der Alliierten verwendet. Dieser Symbolcharakter verhalf der Stadt auch zu ihrer Bedeutung im offiziellen deutschen Blick auf den Zweiten Weltkrieg und erst recht im Geschichtsbild der Nazis.

Im Februar 2010 jährt sich die Bombardierung Dresdens zum 65. Mal, so wie in den letzten zehn Jahren rufen Alt- und Neonazis wieder europaweit zu einem „Trauermarsch“ durch Dresden auf. Das Gedenken an und die Mythen um die Bombardierung bieten den Nazis Vorlagen für ihr geschichtsrevisionistische Propaganda und die Möglichkeit, öffentlich die Täter_innen zu Opfern zu erklären und mit Wortschöpfungen wie „Bombenholocaust“ die Vernichtung der europäischen Juden zu relativieren. Bereits seit Ende der 90er Jahre beteiligten sich bis zu 200 Nazis an den städtischen Gedenkveranstaltungen. Sie legten ihre Kränze unwidersprochen neben die der Stadt. Ab dem Jahr 2000 veranstaltete die „Junge Landsmannschaft Ostpreußen“ (JLO, inzwischen „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“), zusammen mit 500 Alt- und Neonazis aus dem Umfeld der NPD, Freien Kameradschaften und Vertriebenenverbände ihren eigenen Gedenkmarsch. Seitdem stieg die Zahl der Teilnehmer_innen und die Bedeutung in der Naziszene stetig. Im Jahr 2004 lag die Teilnehmer_innenzahl schon bei 2100 Personen. Der Sprung zum europaweiten Großevent vollzog sich 2005 zusammen mit dem Wahlerfolg der sächsischen NPD, die mit 9,2 % (12 Sitze) als viertstärkste Kraft in den sächsischen Landtag einzog. Dieser Wahlerfolg stärkte nicht nur die NPD, sondern auch die übrigen sächsischen Nazistrukturen, die die NPD unterstützten, so z.B. die inzwischen verbotene Neonaziorganisation „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS).

Die Bühne des Landtages bietet der NPD aber auch neue Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Medienwirksam werden einstudierte Theaterstücke aufgeführt, die nur dem Zweck dienen eine Parole in den Medien zu verbreiten und öffentliches Aufsehen zu erregen. So nutzte NPD- Parteivorstand Jürgen Gansel diese Bühne, um im Januar 2005 die Bombardierung Dresdens als „Bombenholocaust“ bezeichnete.15 Kurz darauf, am 21.01.2005, verließ die NPD-Fraktion geschlossen den Plenarsaal, als die Schweigeminute für die Opfer der NS-Herrschaft stattfand. Höhepunkt des Jahres war der Dresdner „Trauermarsch“ der vom NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel und Parteichef Udo Voigt angeführt wurde. Mit der Zahl von 6500 Teilnehmer_innen konnte die NPD nicht nur Stärke demonstrieren, sondern durch den breiten Zuspruch des rechtsextremen Lagers weitere, auch internationale, Verbindungen knüpfen. Dieses Spektrum reicht von Kameradschaften bis hinein ins konservative Lager. Neben Vertriebenenverbänden und rechten Parteien nahmen auch Burschenschaften und Organisationen der Neuen Rechten teil.

Entgegen dem Geschichtsbild der Nazis und der Mythen, die im Lauf der Jahrzehnte entstanden, kam der Luftangriff nicht aus heiterem Himmel. Es gab für diesen Angriff durchaus Gründe. Im Januar 1945 begann, nachdem die Alliierten im Westen den Rhein überschritten und die Rote Armee die Oder erreichte, die entscheidende Phase der Niederschlagung des Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa. Hierbei rückte Dresden in der Liste der primären Ziele neben Berlin, Leipzig und Chemnitz ganz nach oben. Lange Zeit war Dresden durch seine geographische Lage außerhalb der Reichweite der alliierten Bomber und hatte somit noch eine weitgehend intakte Infrastruktur. Neben der zumeist auf Rüstung umgestellten Industrie war auch das Schienennetz um Dresden größtenteils unbeschädigt. Deswegen wurde der Schienenverkehr – vor allem Nachschub für die Wehrmacht – vorwiegend über Dresden abgefertigt. Dresden wurde erst am 8. Mai 1945 von der Roten Armee eingenommen; bis dahin galt die Stadt als militärisches Zentrum. Auf der Jalta-Konferenz wurde beschlossen, große Verkehrs- und Produktionszentren für die Ostfront auszuschalten, um so die Rote Armee vor Gegenangriffen zu schützen und die Versorgung der deutschen Linien zu verhindern. Zu diesen Zentren gehörte auch Dresden.16

Die Mythen, die sich um Dresden ranken, haben ihre Ursprünge zum einen direkt in der den Bomben folgende deutsche Propaganda und zum anderen in Werken deutscher Historiker aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten, welche den damaligen Umgang mit der deutschen Geschichte vortrefflich widerspiegeln.

Im Grunde werden die Mythen aus zwei Unwahrheiten konstruiert. Eine davon ist die Zahl der Toten, die sich heute unter Berufung auf verlässliche historische Quellen mit 25.000 beziffern lässt. Nazis sprechen heutzutage noch immer von bis zu 500.000 Toten, aber auch der DDR-Spitzenpolitiker Hans Loch gab 1955 die Zahl der „friedlichen Menschen, Greise, Frauen und Kinder“, die dem Mord durch die Westalliierten zum Opfer fielen, mit 300.000 an. Die Vervielfachung der Toten folgt einem leicht durchschaubaren Muster: Das Ereignis soll dadurch an historischer Relevanz gewinnen und die Rolle der eigenen Opfer gegenüber den eigentlichen Ursachen des Ereignisses hervorheben. Wer die Anzahl von Toten für ein Kriterium von Leid hält, das sich in die Waagschale werfen lässt, kann die „eigenen Opfer“ außerdem besser gegen die Verbrechen des eigenen Kollektivs aufrechnen. Beides gelingt besonders gut im Zusammenspiel mit der zweiten mythenbestimmenden Unwahrheit, nämlich der Darstellung der Angriffe auf Dresden als „alliierter Terror“, reine „Vergeltungsschläge“, „sinnlose Kriegsverbrechen“, nur um Unschuldigen zu schaden. Denn für unschuldig erklärt werden die Deutschen in der eigenen Nachkriegspropaganda ständig.

In der Tat richteten sich die alliierten Luftangriffe auch gegen die Moral der deutschen Zivilbevölkerung. Allerdings nicht aus alliierter Blutrünstigkeit, sondern gerade weil diese Zivilbevölkerung mit ihrer innigen Verbundenheit zur Volksgemeinschaft maßgeblich daran beteiligt war, dass 1945 überhaupt noch Krieg in Europa geführt werden musste. Dieser Krieg wurde von den Deutschen als Vernichtungskrieg in Osteuropa begonnen, ganze Dörfer und Städte wurden ausradiert, Millionen von Menschen ermordet. All das wurde von den Deutschen in ihren großdeutschen Träumereien begeistert mitgetragen. Dass die deutsche Volksgemeinschaft aber so geschlossen hinter Hitler stand, dass nicht einmal die Bombardierung ihrer Städte half, um sie zurück auf den Boden der Realität zu bringen, konnten die Alliierten nicht erahnen. Ihnen aus dem Versuch, den Krieg zu verkürzen Vorwürfe und Anschuldigungen zu konstruieren, ist falsch.

Jeder Tag, an dem Deutschland von Deutschen regiert wurde, bedeutete unsägliche Grausamkeiten für die als nichtdeutsch abgewerteten Menschen in den KZs, Arbeitslagern, Gefängnissen und den zu dieser Zeit durchgeführten Todesmärschen. Eine dieser Menschen war die Holocaust-Überlebende Gerda Weissmann-Klein. Sie schildert in ihrem Buch „Nichts als das nackte Überleben“, wie sie in der Nacht des 13. Februar während der Bombardierung, ohne Angst zu haben „mit einen Gefühl des Triumphs“ auf einer der Elbbrücken in Dresden steht, an beiden Ufern SS-Männer, die darauf hoffen, dass der Todesmarsch getroffen wird. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie und die Restlichen, die es ohne zusammenzubrechen bis nach Dresden geschafft hatten, schon 250 Kilometer Fußweg hinter sich. Sie kamen aus Konzentrationslagern, die aufgrund der näher rückenden alliierten Truppen geräumt wurden. Die KZ-Häftlinge wurden in Viehwaggons oder meist zu Fuß in das Reichsinnere getrieben. Dabei wurden die Todesmärsche von SS-Totenkopfverbänden, Wehrmachtsoldaten, Ortspolizei, Mitgliedern des Volkssturms und der Hitler-Jugend bewacht. Diejenigen, die nicht mehr laufen konnten oder wollten, wurden oft gleich an Ort und Stelle getötet. Dies geschah nicht nur unbeobachtet auf der Landstraße, sondern auch in Dörfern und Städten vor den Augen der ganz gewöhnlichen Deutschen. Alleine durch Dresden liefen mindestens drei solcher Todesmärsche – mit Sicherheit nicht unbemerkt von der angeblich so „unschuldigen“ Dresdner Bevölkerung .17

Auch der Schriftsteller Victor Klemperer überlebte die Bombenangriffe – und wurde durch sie befreit. Am Morgen des 13. Februar sollten die letzten Dresdner Juden und Jüdinnen, er war einer davon, deportiert werden. Klemperer schreibt: „[…] und derselbe Feuersturm riß Jud und Christ in den Tod; wen aber von den 70 Sternträgern diese Nacht verschonte, dem bedeutete sie Errettung, denn im allgemeinen Chaos konnte er der Gestapo entkommen“.18 Unter diesen Gesichtspunkten handelt es sich bei der Bombardierung deutscher Städte zwar um ein notwendiges Übel, allerdings um eines zur Niederschlagung des Nationalsozialismus.

Das geläuterte Deutschland

Seit der Jahrtausendwende ist eine zunehmende Distanzierung von offizieller Seite von den Mythen um Dresden zu erkennen. Dies hängt unter anderem mit neu entdeckten historischen Quellen zusammen, ist allerdings nicht auf diese alleine zurückzuführen. Das bürgerliche Gedenken hat sich parallel mit dem generellen öffentlichen Umgang mit Nationalsozialismus und deutscher Vergangenheit verändert. Die Abgrenzung von den Nazis, die auf der gleichen Veranstaltung wenige Jahre zuvor selbst noch Kränze niederlegen durften, und die Betonung der deutschen Schuld kann gar nicht oft genug erfolgen. Es wird darauf geachtet, dass die Bombardierung Dresdens nicht gänzlich aus dem historischen Kontext gerissen wird, sondern doch auf gewisse, oft nicht weiter benannte Ursachen zurückzuführen ist. Eine Vorliebe besteht in Dresden für die gebetsmühlenartig wiedergekäute Leier vom Krieg, der von Deutschland ausging und schließlich dorthin zurückkehrte. Bei seiner Rückkehr forderte dieser Krieg dann unzählige Opfer unter der unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung. Dieser Betrachtungsweise folgend waren diese gar Opfer im doppelten Sinne. Zunächst mussten sie die schrecklichen Jahre der „Naziherrschaft“ ertragen und zu deren Ende auch noch den Preis für die Verbrechen „der Nazis“ bezahlen.

Mit dieser Konstruktion einer unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung, die im Gegensatz zu „den Nazis“, ihrer Ideologie und deren Umsetzung gesetzt wird, behält das bürgerliche Gedenken trotz Distanzierung vom „Mythos Dresden“ einen geschichtsrevisionistischen Charakter. Präsentiert wird ein Deutschland in der Tradition der „guten Deutschen“, das 65 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft wiedervereinigt und versöhnt mit dem Rest der Welt die Vergangenheit endlich getrost hinter sich lassen kann. Seine Schuld hat es schließlich anerkannt, aus seinen Fehlern gelernt – gibt es zumindest vor. Die aus der deutschen Schuld gezogenen Konsequenzen reichen allerdings nicht über ein Anerkennen historischer Gegebenheiten hinaus. Die Voraussetzungen, die Shoah und deutschen Vernichtungskrieg erst ermöglichten, waren zu keinem Zeitpunkt Bestandteil einer tief greifenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung und bleiben bis heute ohne Konsequenzen. Und so ist dieses geläuterte Deutschland längst wieder führender Wirtschaftsstandort, weltpolitisch vorne mit dabei und führt seit den 90er Jahren auch wieder Kriege – nach eigener Aussage nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz.

Ein Deutschland, das vorne mitmischen will, möchte natürlich nicht mit den Gründen für die letzte große Niederlage behelligt werden. Die Deutschen müssen der Welt beweisen, dass sie keine Nazis mehr sind und protestieren also umso engagierter gegen die von ihnen „Ewiggestrige“ genannten, die die Weltöffentlichkeit daran erinnern, was in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit noch allgemeiner Konsens war. Allzu deutlich wird gezeigt, dass mensch mit den eigenen „Extremisten“ schon alleine fertig wird und findet dabei zu neuer Gemeinschaft. Von konservativ bis linksradikal sind eigentlich alle gegen Neonazis. Manche Linke bilden sich da selbstgefällig ein, immer mehr Deutsche seien auf ihrer Seite. Vielleicht ist es gerade umgekehrt.

Beim offiziellen Deutschland geht das geläuterte Image aber erst recht mit neuem Selbstbewusstsein einher. Dadurch ließe sich eventuell erklären, warum trotz gefordertem Schlussstrich unter die Geschichte das Gedenken an „deutsche Opfer“ munter weiter betrieben wird. Wer sich geläutert glaubt, meint auch die „Anderen“ anklagen zu dürfen. Deswegen wird das Gedenken an die deutschen Toten, das es bereits seit dem Zweiten Weltkrieg gibt, trotz neuem Antifaschismus weitergeführt. Aber es scheint fast so, als wäre das Bild vom „neuen Deutschland“, das sich zu seiner Schuld bekennt und durch dieses Bekenntnis die Kraft zum Erlangen neuer weltweiter Bedeutung aufbringen will, in Pforzheim noch nicht ganz angekommen. Es wird keine „Meile der Demokratie“ inszeniert, nicht zur breiten Bürger_innendemo aufgerufen, Politiker_innen äußern auch keine Empörung über die jährliche Nazimahnwache. Ob dieser Sachverhalt nun positiv oder negativ zu bewerten ist, sei erstmal dahingestellt, jedenfalls sticht er im direkten Vergleich zu Dresden deutlich heraus.

Eine mögliche Erklärung für das Wegsehen der Pforzheimer_innen ist im Bild des geläuterten Deutschlands selbst zu suchen. Denn dieses entstand nicht aus einem gesellschaftlichen Reflexionsprozess, also „von unten“, sondern wurde vielmehr „von oben“ vorgezeichnet. Insofern handelt es sich eben auch nicht um eine wirkliche Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern um die vordergründige Anerkennung der deutschen Schuld um endlich den lang ersehnten Schlussstrich ziehen zu können. Aber die Verbrechen des Nationalsozialismus, die mensch Jahrzehnte lang verdrängte, verharmloste oder gar stillschweigend gut hieß, nun öffentlich zu bereuen und zu verurteilen, fällt nicht allen Deutschen gleich leicht. Wenn nun bedacht wird, dass Pforzheim nicht gerade den Nabel der Welt darstellt und die neue deutsche Identität so wie von oben nach unten, erst von der Metropole in die Provinz durchsickern muss, könnte dies die Erklärung für den Umgang mit Nazis in Pforzheim sein. Dessen ungeachtet gibt es ansonsten weitestgehend Übereinstimmungen zwischen Dresden und Pforzheim an ihrem jeweiligen Trauertag.

Denn trotz des Wandels im bürgerlichen Gedenken, wie er zumindest in Dresden stattgefunden hat, herrscht bei den verschiedensten Gedenk--- und Trauerveranstaltungen in einem wesentlichen Punkt Übereinstimmung. Es ist das bombardierte Kollektiv unschuldiger deutscher Opfer, dem an diesem Tag gedacht wird. Aufgrund dieser gemeinsamen Grundlage haben die Städte Pforzheim und Dresden wenig Erfolg, beim Versuch, sich gegen die „Vereinnahmung“ des Gedenkens an die Opfer durch die Neonazis zu wehren. Doch gerade diese selbst ernannte „rechte Volksfront“ ist das, was Dresden von anderen Nazigroßveranstaltungen unterscheidet. Dresden bietet den Nazis eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten, die sie z.B. beim Gedenken an Rudolf Hess nicht haben. Zwar wird, zumindest in Dresden, eine Darstellung der Ereignisse, als „Bombenholocaust“ oder „alliierter Terror“ als geschichtsverfälschend erkannt und zurückgewiesen, über die Opferrolle der jeweiligen Bevölkerung herrscht jedoch weitestgehend Konsens.

Der Nationalsozialismus zeichnete sich jedoch gerade nicht durch eine Elite von grausamen Verbrechern aus, die das Volk verleitete und hinter seinem Rücken den nächsten Weltkrieg anzettelte und Millionen Menschen in geheimen Lagern ermordete. Vielmehr sahen die Deutschen, bis auf einzelne Ausnahmen, ihre Interessen von dem ideologischen Programm der Nazis bestens vertreten und beteiligten sich bereitwillig an dessen Umsetzung. Die Vereinigung der Gesellschaft zur Volksgemeinschaft war nicht nur Utopie nationalsozialistischer Ideologie und Propaganda, sondern wurde mit dem Wahlerfolg der Nazis bittere Realität für alle, die durch den völkischen Nationalismus von dieser ausgeschlossen wurden. In der nationalsozialistischen Ideologie steht das deutsche Volk an erster Stelle. Nach ihm kommt die Familie, die für die Erhaltung des Volkes steht. Der einzelne Mensch zählt als solcher nicht, sondern nur sein Dienst für die Volksgemeinschaft. Die Zugehörigkeit zu dieser wurde durch kulturelle und vor allem rassistische und antisemitische Zuschreibungen definiert. Der kollektive Massenmord wäre ohne die Volksgemeinschaft kaum möglich gewesen.

Auch die Mobilisierung für den Krieg geschah im Namen der Volksgemeinschaft. Und mit der militärischen Niederlage und der Kapitulation Deutschlands, wurde aus der Gemeinschaft der Täter eine Gesellschaft von „unschuldigen Individuen“, die jegliche Schuld an den Verbrechen von sich wiesen. Mensch hatte ja von nichts gewusst.

Mit Deutschland gegen Nazis?

Genauso wie die Nazizeit nicht isoliert vom Rest der Geschichte der Deutschen betrachtet werden kann, können die Bombardements deutscher Städte niemals ohne den Kontext der Volksgemeinschaft gesehen werden. Ihrem Wüten vermochte alleine die militärische Zerschlagung Deutschlands durch die alliierten Streitkräfte Einhalt zu gebieten. Die Volksgemeinschaft war verantwortlich für den geforderten „totalen Krieg“. Ebenso für die Shoah, die in ihrem Charakter als angestrebte restlose Vernichtung aller Juden und Jüdinnen in Europa jede bis zu diesem Zeitpunkt denkbare Kategorie menschenmöglicher Grausamkeit sprengte. Auch die zu Tausenden durch KZs und Zwangsarbeit ermordeten Homosexuellen, Behinderten, Sinti, Roma, Gegner_innen des Nationalsozialismus sowie alle anderen sogenannten „Volksschädlinge“ sind an dieser Stelle nicht zu vergessen.

Das deutsche Kollektiv hat die nationalsozialistische Gesellschaft samt deren Verbrechen maßgeblich getragen. Den Großteil der Deutschen für unschuldig zu erklären, übersieht die Dynamik, die in Deutschland zur Shoah führte. Aber auch für manche linke Gruppierungen, in deren Revolutionstheorien die Massen per se eine antifaschistische oder gar revolutionäre Triebkraft darstellen, ist es unumgänglich, die breite Beteiligung der deutschen Bevölkerung am Nationalsozialismus auszuklammern. Nur wenn sie eine Führungsclique für Krieg und Shoah verantwortlich machen, können sie darauf hoffen, mit den breiten Massen auch in Deutschland die Revolution zu erkämpfen. Wenn mit breiten Bündnissen gegen Neonazis demonstriert wird, wird auch heute noch oft das Bild vermittelt, die Ansichten der Nazis wären schon immer nur von einer kleinen, extremen Minderheit geteilt worden.

Dieses Bild ist durchaus kompatibel mit dem des reuevollen Volkes, das aus seiner Vergangenheit gelernt hat. Die Deutschen wollen es gleichzeitig nie gewesen sein und doch auch alle vermeintlich überzogenen Forderungen der „Siegermächte“, zynisch „Wiedergutmachung“ genannt, erfüllt haben. Die Parole „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, mit der die Losung der Insassen des Konzentrationslagers Buchenwald oftmals zusammengefasst wird, erfährt im Rahmen an das Gedenken an die deutschen Toten der Bombenangriffe leicht eine drastische Bedeutungsverschiebung. Durch blinden oder vorgeschobenen Pazifismus verwandelt sie sich allzu schnell in „Nie wieder Krieg gegen Faschismus“ – ein falscher Schluss aus Faschismus und Nationalsozialismus. Es ging nicht mehr um die Verhinderung von Krieg und Vernichtung, sondern um deren Beendigung, im schlimmsten Falle eben mit Gewalt.

Antifaschistische Theorie und Praxis muss den Nazis jeden von ihnen eingenommenen Raum streitig machen – nicht nur an nationalen Trauertagen oder an von Nazis bestimmten Terminen. Es sollte jedoch Klarheit darüber bestehen, was es dabei zu gewinnen gibt – und was nicht. Linksradikales Engagement, das sich auf einen platten „Gegen Nazis“-Konsens beschränkt, steht dem um die Jahrtausendwende von höchster Stelle initiierten „Wir sind Deutschland“-Staatsantifaschismus verdächtig nahe. Selbst wenn es gelingen sollte, im breiten Bündnis einen Naziaufmarsch zu verhindern, stellt sich die Frage für wen oder was dies nun einen (Teil-) Erfolg darstellt. Für die Antifa, das Image einer Stadt oder gar das Selbstbild einer Nation? Oder einfach alle zusammen? Den herrschenden Verhältnissen jedenfalls hat dieser Antifaschismus wenig entgegenzusetzen. Hierfür müssten diese einer kritischen Auseinandersetzung unterzogen werden, die aufgrund der Wahrung der Bündnisfähigkeit aber nicht stattfindet.

Gerade an Tagen wie dem 13. Februar in Dresden oder dem 23. Februar in Pforzheim bleibt es für eine radikale Linke, die Ursachen und nicht Symptome bekämpfen will, unerlässlich, Kritik und Protest auch gegen die offiziellen bürgerlichen Gedenken sowie den Kontext in dem sie stattfinden zu richten – dem Standort Deutschland.

– Antifa 3.0 – Januar 2010

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Stellungnahme zur Kampagne http://bka.blogsport.de/2010/01/16/stellungnahme-zur-kampagne/ http://bka.blogsport.de/2010/01/16/stellungnahme-zur-kampagne/#comments Sat, 16 Jan 2010 21:28:44 +0000 Administrator Allgemein http://bka.blogsport.de/2010/01/16/stellungnahme-zur-kampagne/ Im Folgenden findet ihr zwei Stellungnahmen zur Kampagne. In unseren Treffen fanden wir, dass keiner der beiden Entwürfe besser ist, oder dass einer etwas falsches sagt; jedoch haben beide Texte jeweils einen anderen Schwerpunkt. Wir wollen euch hiermit beide zugänglich machen, damit ihr euch ein Bild machen könnt, warum unsere diesjährige Kampagne so aussieht, wie ihr es gerade mitbekommt:

Text 1

In Pforzheim herscht im Bezug auf den 23. Februars etwa folgende Meinung vor, die sowohl von der Presse und konservativen PolitikerInnen gefördert wird, aber auch von den meinsten eigentlich „unpolitischen“ Menschen vertreten wird:
„Die Rechten sind zwar von ihrer Meinung her schlimm, stehen aber nur auf dem Berg und niemand von außerhalb kriegt davon wirklich was mit. Die Linken kommen nur, um mit Nazis und Polizei aneinaderzugeraten und es geht ihnen nicht um die Sache. Das sieht man auch daran, dass sie auf den Demos anfangen zu saufen und eigentlich wissen die nicht mal, warum sie gegen Nazis sind.“
Außerdem wird immer gerne ein Bild vermittelt, dass „die Linken“ sich darüber freuen würden, dass am 23. Februar 1945 hier 17.000 Menschen umgekommen sind; angeblich findet hier von seiten „der Linken“ keine Differenzierung zwischen den Opfern statt.

Diese Meinung geht nicht auf den Inhalt der Fackelmahnwache und erst recht nicht
auf den Inhalt der recht fundierten Gegenproteste, wie z.B. die Kampagne „Gegen jeden Geschichtsrevisionismus“ 2008 ein. Diese Meinung kann aber bestand haben, wenn man bspw. die Proteste nur von außen sieht; da reicht ein „Deutsche Täter sind keine Opfer“ Transparent, damit die Leute danach sagen können: „Das Achtjährige Kind, das da umgekommen ist, das war doch kein Täter! Die haben doch keine Ahnung!“ Eine Oberbürgermeisterin, die so etwas sagt, tut das mit politschen Kalkül, obwohl sie es besser weiß; die einfache Passantin jedoch tut es, weil sie sich nicht großartig Gedanken darüber macht. Genau diese Leute wollen wir aber erreichen!

Von dieser Situation ausgehend suchen wir nach Wegen, damit die PforzheimerInnen uns nicht weiter in die Schublade „linker Chaot“ stecken können; dabei ist ein Ergebnis, dass wir unseren Mobilisierungsschwerpunkt auf die Demo am 20. Februar setzen. Die Argumentation „Die wollen sich eh nur prügeln – die haben keine Ahnung wofür die dastehen – mit denen will ich nichts zu tun haben, auch wenn ich Nazis nicht mag“ machen wir damit unmöglich, dass an diesem Tag gar keine Nazis da sind.

Uns ist bewusst, dass man grundsätzlich keinen Naziaufmarsch zulassen sollte, und dass es immer Ziel sein muss, das zu verhindern. Wir sehen jedoch keine Perspektive, das isoliert zu schaffen. Wir müssen raus aus der Szene-Ecke, wir müssen raus aus der Schublade. Wenn wir schaffen, als inhaltlich fundiert wahrgenommen zu werden, als Menschen, die für die Menschlichkeit dastehen, dann können wir auch die Bevölkerung dazu bewgen, in Massen dafürm zu sorgen, dass die Mahnwache der Nazis nicht mehr stattfindet; wir werden uns zwar nicht anbiedern in Form von „alle DemokratInnen gegen Extremismus“ oder Abstand von unserer Meinung nehmen, dass der Angriff auf Pforzheim eine logische Konsequenz des „Totalen Kriegs“ war., Wir werden auch in Zukunft darauf drängen, dass TäterInnen und ProfiteurInnen des Naziregimes benannt werden; wir werden auch in Zukunft nicht schweigen von den über 100 Rüstungsbetrieben in Pforzheim während des 2. Welkkriegs. Wir werden uns auch in Zukunft gegen ein Geschichtsbild wehren, das die Deutschen als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung darstellt, obwohl sich das Geschichtswissen des Guido Knopp beschränkt auf Hitlers Frauen, Hitlers Generäle und Hitlers Haustiere. Wir werden auch in Zukunft nicht akzeptieren, wenn bei dem Geschwätz über „Alle Opfer von Krieg und Diktatur“ die Einmaligkeit der Shoa geleugnet wir. Aber wir werden den Schwerpunkt unserer Arbeit anders ausrichten, damit unser Geschichtsbild in Zukunft auch angehört wird.

Text 2

Mit dem Aufkommen der Proteste gegen die Fackelmahnwache, wurde es in Pforzheim am 23.02 unruhig. Zuvor versuchten Stadt und Presse die Mahnwache geheim zu halten. Geebnet durch eben diese, formierte sich in der Bürgerschaft das Bild der linken ChaotInnen. Der Fokus wird nicht etwa auf die Tyrannei des Nationalsozialismus und dessen geistigen Nachkommen gelegt, sondern bezieht sich auf die Menschen welche sich gegen die Fackelmahnwache stellen. Problem ist nicht etwa der positive Bezug zum deutschen Faschismus, sondern die geliebte Grünpflanze die von Omas Balkon fallen könnte. Eine inhaltliche Auseinandersetzung fehlt. Die Konfrontation mit den Neonazis wird von Seiten der Stadt und der Mehrheit der BürgerInnen als reiner Lustakt empfunden, welcher sich für sie in einer Hooligan- Gewalt ausdrückt. Unter dem Deckmantel des „Linksextremismus“ sei auch keine inhaltliche Diskussion mehr von Nöten.
Von dieser Situation ausgehend suchen wir nach Wegen, damit die PforzheimerInnen uns nicht weiter in die Schublade „linke Chaoten“ stecken können. So setzen wir auf eine Demonstration am 20. Februar, um das Bild des / der „prügelnden Demonstranten /-in“ zu entschärfen. Da am 20. Februar keine öffentliche Veranstaltung der Neonazis stattfindet, wird es für die BürgerInnen schwieriger sich der Diskussion mit uns zu entziehen, da ihr Hauptargument keinen Bestand mehr hat.
Uns ist bewusst, dass man grundsätzlich keinen Naziaufmarsch gewähren lassen darf. Dementsprechend wird es auch am 23.Februar eine Kundgebung und Aktionen in der Innenstadt geben. Wir sehen jedoch keine Perspektive, isoliert von der Gesellschaft den alltäglichen Wahnsinn zu bestreiten. Wir müssen raus aus der Szene-Ecke, wir müssen raus aus der Schublade. Wenn wir schaffen, als inhaltlich fundiert wahrgenommen zu werden, als Menschen, die für die Menschlichkeit dastehen, dann können wir auch die Bevölkerung dazu bewegen, in Massen dafür zu sorgen, dass die Mahnwache der Nazis nicht mehr stattfindet Wir werden uns allerdings nicht anbiedern in Form von „alle DemokratInnen gegen Extremismus“ oder Abstand von unserer Meinung nehmen, dass der Angriff auf Pforzheim eine logische Konsequenz des „Totalen Kriegs“ war. Wir werden auch in Zukunft darauf drängen, dass TäterInnen und ProfiteurInnen des Naziregimes benannt werden. Wir werden es auch in Zukunft nicht über die 100 Rüstungsbetriebe in Pforzheim während des 2. Weltkrieges schweigen. Wir werden uns auch in Zukunft gegen ein Geschichtsbild wehren, das die Deutschen als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung darstellt, obwohl sich das Geschichtswissen des Guido Knopp auf Hitlers Frauen, Hitlers Generäle und Hitlers Haustiere beschränkt. Wir werden auch in Zukunft nicht akzeptieren, wenn bei dem Geschwätz über „Alle Opfer von Krieg und Diktatur“ die Einmaligkeit der Shoa geleugnet wird. Aber wir werden den Schwerpunkt unserer Arbeit anders ausrichten, damit unser Geschichtsbild in Zukunft auch angehört wird.

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