Aufruf zur Demonstration

Sa, 20. Feb. 14:00 Uhr Waisenhausplatz

rechtspfeil

Flagge zeigen gegen Rechts

Für ein Pforzheim ohne Nazimahnwache am 23.2.

Wir wollen nicht zulassen, dass Hass gegen Minderheiten, Rassismus, Gewalt- und Kriegsverherrlichung erneut an politischem Einfluss gewinnen!

Wir wollen keine Nazis in Pforzheim und anderswo!

Mahnwache des FHD

Seit 1994 veranstaltet der rechtsradikale „Freundeskreis ein Herz für Deutschland“(FHD) (fast)[1] jedes Jahr am 23. Februar eine Fackelmahnwache, um der „deutschen Opfer“ [2] des Angriffs auf Pforzheim 1945 und des 2. Weltkriegs zu gedenken.
Die Mahnwache ist mittlerweile mit 100 – 200 Teilnehmer/-innen die größte regelmäßige faschistische Veranstaltung in Baden-Württemberg. Das Gedenken an „deutsche Opfer“ ist für die sonst recht zerstrittene Bewegung in Deutschland das Bindeglied zwischen allen Gruppen. Die größten Nazidemonstrationen drehen sich immer um den 2. Weltkrieg, z.B. in Dresden am 13. Februar.[3]

Geschichte als Anknüpfungspunkt

Am 23. Februar wird der 17.000 Toten gedacht, die in Pforzheim ums Leben kamen. Meist werden dabei Erlebnisse von Pforzheimer/-innen während und nach dem Luftangriff aufgezeigt. Neben der Trauer um Verwandte, die viele Pforzheimer/-innen durchleben, wird auch gemeinschaftlich aller anderen Opfern des Krieges gedacht.
Es wird aber nur selten von den nationalsozialistischen Täter/-innen gesprochen. So entsteht leicht der Eindruck, dass Pforzheim zufällig kurz vor Kriegsende angegriffen wurde. Nur selten wird klar, dass es die Logik des von Nazi-Deutschland begonnenen und von der Bevölkerung mehrheitlich mitgetragenen Vernichtungskrieges war, die nun auch auf unsere Stadt zurückfiel.
Diese Geschichtsbetrachtung macht es den 100 – 200 Alt- und Neonazis auf dem Wartberg leicht, mitzutrauern. Sie sehen sich und ihre Helden aus der Zeit Nazi-Deutschlands ebenso als Opfer des „Bombenkrieges“, bedienen sich der allgemeinen Trauerstimmung und reihen sich ein. Doch innerhalb ihres Gedenkens klammern sie einfach Gruppen wie Zwangsarbeiter/-innen oder Jüdinnen und Juden aus. Sie gehören ihrem Weltbild nach nicht zu den Opfern 2. Weltkrieges.

Warum gibt es so wenig Protest?

Die größte regelmäßige faschistische Veranstaltung in Baden-Württemberg erzeugt in Pforzheim bis jetzt keinen Protest, der auch wirklich breit aus der Bevölkerung heraus getragen wird. Zum einen liegt das am Charakter der Veranstaltung; über Jahre hinweg war nicht bekannt, dass es diese Mahnwache gibt. Zum anderen kann man sie leicht ignorieren, da sie in unbewohntem Gebiet stattfindet.
Gerade dieser Sonderstatus macht die Mahnwache gefährlich. Hier können Rechte aller Strömungen ungestört zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben. Auf dem Wartberg herrscht eine beeindruckende Atmosphäre: Um 19:40 Uhr stehen sie dort, entzünden ihre Fackeln, kurz darauf beginnen in der ganzen Stadt für 20 Minuten die Glocken zu läuten, ansonsten herrscht andächtige Stille.
Diese Atmosphäre kann Einsteiger/-innen in die rechte Szene beeindrucken und alte Nazis festigen; es vermittelt allen, dass sie nicht alleine sind;
dass an den rechten Parolen schon was dran sein wird, weil es sich richtig anfühlt.

Die rechtsradikale Szene in Pforzheim

In Pforzheim gibt es nicht nur am 23. Februar eine aktive Naziszene. Zunehmend fällt eine wachsende, gewaltbereite rechtsradikale Jugendszene auf. So versuchten am 24. Oktober 2008 etwa 15 Neonazis aus dem Umfeld des „Heidnischen Sturmes Pforzheim“[4] ein Konzert der Aktion „Laut gegen Nazis“ anzugreifen. Mit Knüppeln, Pfefferspray und Flaschen begannen sie auf Besucher/-innen des Jugendzentrums Kupferdächle einzuschlagen.
Auch vor direkten gewaltätigen Überfällen auf einzelne Personen schrecken Pforzheimer Neonazis nicht zurück. Am 16. Mai jagten drei Neonazis einen 14jährigen auf Grund seiner Hautfarbe durch die Pforzheimer Nordstadt.
Einer der Täter wurden hier glücklicherweise ermittelt und in erster Instanz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Insgesamt ist es der lokalen Naziszene mit der politschen Einflussnahme ernst. Dafür spricht, dass am 13. Februar 2009 ca. 50 Pforzheimer Neonazis mit einem eigenen Reisebus nach Dresden fuhren, und dort ein Transparent trugen mit der Aufschrift „Alliierter Bombenterror Dresden – Pforzheim“.

Fazit

Es geht eine direkte Bedrohung von der Pforzheimer Naziszene aus, die vor allem von Jugendlichen großen Zulauf erfährt. Der 23. Februar hat für die Szene eine große Bedeutung, da er sowohl nach außen ein „Markenzeichen“ ist, als auch nach innen die regionale Vernetzung stärkt.

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[1] 2002 konnte die Mahnwache durch antifaschistischen Gegenprotest verhindert werden. 2004 fiel der 23 .Februar auf einen Rosenmontag. Die Polizei konnte nicht für die Sicherkeit garantieren; der FHD sagte die Mahnwache im Vorfeld ab.

[2] Nazis verstehen unter Deutschen diejenigen, die sie zu ihrer konstruierten „Volksgemeinschaft“ zählen; so gehören beispielsweise Jüdinnen und Juden, Behinderte oder politische Gegner/-innen nicht zu den Deutschen.

[3] 2009 fand mit 6000 Teilnehmer/-innen einer der größten Naziaufmärsche in der Geschichte der Bundesrepublik statt.

[4] Der Heidnische Sturm Pforzheim ist eine 2005 gegründete, rechtsradikale Kameradschaft.

Veranstalter der Demonstration ist die
Initiative gegen Rechts

c/o Rüdiger Jungkind
Ersinger Straße 14-1
Keltern