Stellungnahme zur Kampagne

Im Folgenden findet ihr zwei Stellungnahmen zur Kampagne. In unseren Treffen fanden wir, dass keiner der beiden Entwürfe besser ist, oder dass einer etwas falsches sagt; jedoch haben beide Texte jeweils einen anderen Schwerpunkt. Wir wollen euch hiermit beide zugänglich machen, damit ihr euch ein Bild machen könnt, warum unsere diesjährige Kampagne so aussieht, wie ihr es gerade mitbekommt:

Text 1

In Pforzheim herscht im Bezug auf den 23. Februars etwa folgende Meinung vor, die sowohl von der Presse und konservativen PolitikerInnen gefördert wird, aber auch von den meinsten eigentlich „unpolitischen“ Menschen vertreten wird:
„Die Rechten sind zwar von ihrer Meinung her schlimm, stehen aber nur auf dem Berg und niemand von außerhalb kriegt davon wirklich was mit. Die Linken kommen nur, um mit Nazis und Polizei aneinaderzugeraten und es geht ihnen nicht um die Sache. Das sieht man auch daran, dass sie auf den Demos anfangen zu saufen und eigentlich wissen die nicht mal, warum sie gegen Nazis sind.“
Außerdem wird immer gerne ein Bild vermittelt, dass „die Linken“ sich darüber freuen würden, dass am 23. Februar 1945 hier 17.000 Menschen umgekommen sind; angeblich findet hier von seiten „der Linken“ keine Differenzierung zwischen den Opfern statt.

Diese Meinung geht nicht auf den Inhalt der Fackelmahnwache und erst recht nicht
auf den Inhalt der recht fundierten Gegenproteste, wie z.B. die Kampagne „Gegen jeden Geschichtsrevisionismus“ 2008 ein. Diese Meinung kann aber bestand haben, wenn man bspw. die Proteste nur von außen sieht; da reicht ein „Deutsche Täter sind keine Opfer“ Transparent, damit die Leute danach sagen können: „Das Achtjährige Kind, das da umgekommen ist, das war doch kein Täter! Die haben doch keine Ahnung!“ Eine Oberbürgermeisterin, die so etwas sagt, tut das mit politschen Kalkül, obwohl sie es besser weiß; die einfache Passantin jedoch tut es, weil sie sich nicht großartig Gedanken darüber macht. Genau diese Leute wollen wir aber erreichen!

Von dieser Situation ausgehend suchen wir nach Wegen, damit die PforzheimerInnen uns nicht weiter in die Schublade „linker Chaot“ stecken können; dabei ist ein Ergebnis, dass wir unseren Mobilisierungsschwerpunkt auf die Demo am 20. Februar setzen. Die Argumentation „Die wollen sich eh nur prügeln – die haben keine Ahnung wofür die dastehen – mit denen will ich nichts zu tun haben, auch wenn ich Nazis nicht mag“ machen wir damit unmöglich, dass an diesem Tag gar keine Nazis da sind.

Uns ist bewusst, dass man grundsätzlich keinen Naziaufmarsch zulassen sollte, und dass es immer Ziel sein muss, das zu verhindern. Wir sehen jedoch keine Perspektive, das isoliert zu schaffen. Wir müssen raus aus der Szene-Ecke, wir müssen raus aus der Schublade. Wenn wir schaffen, als inhaltlich fundiert wahrgenommen zu werden, als Menschen, die für die Menschlichkeit dastehen, dann können wir auch die Bevölkerung dazu bewgen, in Massen dafürm zu sorgen, dass die Mahnwache der Nazis nicht mehr stattfindet; wir werden uns zwar nicht anbiedern in Form von „alle DemokratInnen gegen Extremismus“ oder Abstand von unserer Meinung nehmen, dass der Angriff auf Pforzheim eine logische Konsequenz des „Totalen Kriegs“ war., Wir werden auch in Zukunft darauf drängen, dass TäterInnen und ProfiteurInnen des Naziregimes benannt werden; wir werden auch in Zukunft nicht schweigen von den über 100 Rüstungsbetrieben in Pforzheim während des 2. Welkkriegs. Wir werden uns auch in Zukunft gegen ein Geschichtsbild wehren, das die Deutschen als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung darstellt, obwohl sich das Geschichtswissen des Guido Knopp beschränkt auf Hitlers Frauen, Hitlers Generäle und Hitlers Haustiere. Wir werden auch in Zukunft nicht akzeptieren, wenn bei dem Geschwätz über „Alle Opfer von Krieg und Diktatur“ die Einmaligkeit der Shoa geleugnet wir. Aber wir werden den Schwerpunkt unserer Arbeit anders ausrichten, damit unser Geschichtsbild in Zukunft auch angehört wird.

Text 2

Mit dem Aufkommen der Proteste gegen die Fackelmahnwache, wurde es in Pforzheim am 23.02 unruhig. Zuvor versuchten Stadt und Presse die Mahnwache geheim zu halten. Geebnet durch eben diese, formierte sich in der Bürgerschaft das Bild der linken ChaotInnen. Der Fokus wird nicht etwa auf die Tyrannei des Nationalsozialismus und dessen geistigen Nachkommen gelegt, sondern bezieht sich auf die Menschen welche sich gegen die Fackelmahnwache stellen. Problem ist nicht etwa der positive Bezug zum deutschen Faschismus, sondern die geliebte Grünpflanze die von Omas Balkon fallen könnte. Eine inhaltliche Auseinandersetzung fehlt. Die Konfrontation mit den Neonazis wird von Seiten der Stadt und der Mehrheit der BürgerInnen als reiner Lustakt empfunden, welcher sich für sie in einer Hooligan- Gewalt ausdrückt. Unter dem Deckmantel des „Linksextremismus“ sei auch keine inhaltliche Diskussion mehr von Nöten.
Von dieser Situation ausgehend suchen wir nach Wegen, damit die PforzheimerInnen uns nicht weiter in die Schublade „linke Chaoten“ stecken können. So setzen wir auf eine Demonstration am 20. Februar, um das Bild des / der „prügelnden Demonstranten /-in“ zu entschärfen. Da am 20. Februar keine öffentliche Veranstaltung der Neonazis stattfindet, wird es für die BürgerInnen schwieriger sich der Diskussion mit uns zu entziehen, da ihr Hauptargument keinen Bestand mehr hat.
Uns ist bewusst, dass man grundsätzlich keinen Naziaufmarsch gewähren lassen darf. Dementsprechend wird es auch am 23.Februar eine Kundgebung und Aktionen in der Innenstadt geben. Wir sehen jedoch keine Perspektive, isoliert von der Gesellschaft den alltäglichen Wahnsinn zu bestreiten. Wir müssen raus aus der Szene-Ecke, wir müssen raus aus der Schublade. Wenn wir schaffen, als inhaltlich fundiert wahrgenommen zu werden, als Menschen, die für die Menschlichkeit dastehen, dann können wir auch die Bevölkerung dazu bewegen, in Massen dafür zu sorgen, dass die Mahnwache der Nazis nicht mehr stattfindet Wir werden uns allerdings nicht anbiedern in Form von „alle DemokratInnen gegen Extremismus“ oder Abstand von unserer Meinung nehmen, dass der Angriff auf Pforzheim eine logische Konsequenz des „Totalen Kriegs“ war. Wir werden auch in Zukunft darauf drängen, dass TäterInnen und ProfiteurInnen des Naziregimes benannt werden. Wir werden es auch in Zukunft nicht über die 100 Rüstungsbetriebe in Pforzheim während des 2. Weltkrieges schweigen. Wir werden uns auch in Zukunft gegen ein Geschichtsbild wehren, das die Deutschen als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung darstellt, obwohl sich das Geschichtswissen des Guido Knopp auf Hitlers Frauen, Hitlers Generäle und Hitlers Haustiere beschränkt. Wir werden auch in Zukunft nicht akzeptieren, wenn bei dem Geschwätz über „Alle Opfer von Krieg und Diktatur“ die Einmaligkeit der Shoa geleugnet wird. Aber wir werden den Schwerpunkt unserer Arbeit anders ausrichten, damit unser Geschichtsbild in Zukunft auch angehört wird.